Der Morgen hing klar über Freihausen, so frisch, dass der Atem kleine Wölkchen machte. Max und Linus standen an der Bushaltestelle, Schienbeinschützer im Rucksack, Stollen klackten leise gegeneinander. „Bereit?“, fragte Linus und klemmte den Ball fester unter den Arm. Max grinste. „Seit gestern Abend. Heute spielen wir mutig.“
Der Bus kam mit einem Ruck, und Herbert, der Fahrer, schob die Mütze in den Nacken. „Na ihr zwei, heute wieder Champions League?“ Max lachte. „Gemütliche Liga, Herbert. Aber mit schönem Fußball.“ Auf den hinteren Sitzen tuschelten sie über Aufstellung und Eckenvarianten. „Glaubst du, Ludwig taucht auf?“, fragte Linus. Max zuckte mit den Schultern. „Wenn er kommt, kommt er. Dann zeigen wir, was wir können.“
In der Schule summte die Luft wie vor dem Anpfiff. Frau Kroll klappte ihr Heft auf und hob eine Augenbraue. „Hier ist kein Stadion, Leute. Erst Mathe, dann Spektakel.“ Ludwig Krüger schoss mit dem Finger einen Papierball über die Tischkante und flüsterte „Tor!“, worauf Linus mühsam das Lachen runterschluckte. Max tippte mit dem Stift im Takt, als würden sie schon auf dem Platz stehen.
Nach der letzten Klingel rannten sie zur Zockerbude, ihrem kleinen Stadion hinter der alten Sporthalle: ein Bolzplatz mit schiefem Netz, Kreideflecken am Boden und einer Bank, die schon viel gesehen hatte. Linus rollte den Ball in die Mitte und blieb stehen. „Was fehlt noch?“ Max blätterte durch seinen zerknitterten Zettel. „Die neuen Trikots… Mist. Die Liste ist weg.“
Linus’ Augen wanderten über den Platz. „Ich will die Zehn“, murmelte er, mehr zu sich als zu Max. „Klar“, sagte Max, „aber zuerst müssen die Dinger überhaupt da sein.“ Ein Klopfen an der Tür der Geräteräume. Maja steckte den Kopf hinein, roter Zopf wild, die Stirn schwitzig. „Hab ich was verpasst? Ich hab Tape, Wasser und gute Laune.“
Max legte den Zettel weg. „Irgendwas ist heute anders“, sagte er leise. „Kein normales Turnier. Viele Zuschauer. Und Ludwigs Leute standen vorhin schon am Kiosk.“ Maja nickte. „Dann spielen wir umso klüger.“ Linus zog die Schnürsenkel fest. „Klug und schnell. Das ist unser Ding.“
Das Team trudelte ein. Einer hüpfte auf einem Bein, einer machte Kniehebeläufe, einer streute Kreide nach. „Motto?“, rief Linus plötzlich. Max grinste. „Wir sind die Champions der Zockerbude!“ Ein paar Fäuste stießen zusammen, das Netz vibrierte, als jemand dagegen sprang.
Genau da tauchte Ludwig auf, die Hände in den Taschen, zwei Freunde im Schlepptau. „Ihr denkt echt, ihr nehmt uns heute auseinander?“, fragte er, aber es klang mehr nach Spaß als nach Gift. Linus trat einen Schritt vor. „Wir denken gar nicht. Wir spielen.“
Der Anpfiff kam wie ein Schlag in die Stille. Max sortierte in der Mitte, schob Pässe wie Fäden durch enge Lücken. Linus nahm Tempo auf, ließ einen Haken links, einen rechts, der Ball klebte am Fuß. Die Latte sang einmal kurz, und Maja rief von draußen: „Weiter, weiter!“
In der Pause reichte jemand einen Riegel rum. „Nicht die Nüsse, Linus!“, rief Max schneller, als er denken konnte. Linus hielt inne, roch dran, verzog das Gesicht und lachte gequält. „Schon gut.“ Er spülte mit Wasser nach, band die Schuhe neu, atmete durch. „Alles okay“, sagte er dann, und der Blick war wieder klar.
Zurück auf dem Platz drängte die Zeit. Ein Abpraller, ein Pressschlag, Gras spritzte. Max steckte einen Ball durch, genau im richtigen Moment, und Linus war weg—ein kurzer Blick, Innenrist, flach ins Eck. Für einen Atemzug lag über allem Stille, dann brach das Jubeln los. 3:2. Abpfiff.
Die Stimmen legten sich langsam, nur der Wind raschelte im Netz. Ludwig trat zu Linus, tastete in seiner Sporttasche und zog ein nagelneues Trikot heraus—weiß mit dunkelgrünen Streifen, eine große 10 auf dem Rücken. „Das Paket lag heute früh im Regen vorm Laden“, sagte er und hielt es Linus hin. „Ich hab’s mitgenommen. Wollte erst ’nen Spruch machen. War dumm. Es gehört dir.“ Linus blinzelte, fuhr mit den Fingern über die Nummer und nickte nur.
„Danke“, sagte er schließlich und reichte Ludwig die Hand. Max hakte sich bei beiden ein. „Nächste Woche mischen wir die Teams fürs Training. Deal?“ Maja warf ihm das Tape zu, und alle lachten. Die Sonne stand tief, das Netz rauschte leise. „Hier sind wir also“, sagte Max, und Linus stieß ihn grinsend an, „die Champions von Freihausen.“
